Ausflug an die Adria

Der Tag erwacht und stimmt uns sogleich versöhnlich. Zwischen einigen Wolkenfetzen hindurch präsentiert sich der blaue Himmel. Der perfekte Tag für einen Ausflug an die Adria. Wir entscheiden uns, nach dem heutigen Tagesausflug wieder in die gleiche Unterkunft zurückzukehren und fahren los. Nach wenigen Kilometern erreichen wir das UNESCO-Weltnaturerbe Skocjan-Grotte. Es handelt sich dabei um den grössten unterirdischen Canyon von Europa. Ein Felseinbruch im Karstgebiet dieser Gegend hat dieses Naturschauspiel ausgelöst. Leider ist das Fotografieren in der Höhle verboten und wir müssen und mit einem Bild aus dem Internet begnügen.

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Kaum vorstellbar, wie Forscher vor über 100 Jahren diesen Ort mit Fackeln erforschten.

Nach gut einer Stunde unter Tag erreichen wir den Höhleneingang. Hier ist der Fluss einmal durchflossen. Er befindet sich seit dem Einsturz nun aber gut 20 Meter tiefer.

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Die Höhlen von Škocjan – der grösste unterirdische Canyon Europas.

Wir wärmen uns nach der kühlen Wanderung an der Sonne. Der hier entstandene Kessel ist eindrücklich! Aufgrund des vielen Regens der vergangenen Tage tropft es allerdings an allen Seiten. Und auch der Fluss führt ziemlich viel Wasser.

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Hier verschwindet der Fluss Reka im Berg.

Die ersten Forscher haben diese Höhle auf dem Wasserweg auskundschaftet. Gar nicht vorstellbar, welchen Gefahren sie sich dabei ausgesetzt haben. Bereits anfangs des letzten Jahrhunderts wurden hier erste Gehwege gebaut, um Touristen (damals in erster Linie eine sehr wohlhabende Oberschicht) möglichst nahe an dieses Naturschauspiel heranzuführen.

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Über Jahrtausende hat sich das Wasser seinen Weg durchs Gestein gebahnt.

Nach nur wenigen Kilometern begegnen wir einer Schar Jugendlicher. Diese machen uns mit Winken klar, dass sie sich gerne mit uns unterhalten möchten. Sie wollen alles über unser Gefährt herausfinden und fragen dann, ob sie nun auch einige Bilder machen dürfen. Wir willigen gerne ein und verlangen Gegenrecht. Die Gruppe fährt auf Kickboards, die über einer Vorrichtung für ihr Gepäck verfügen, durch die Gegend. Recht abenteuerlich, wie wir finden, denn hier gibt es weder Velostreifen noch Trottoirs. Allerdings sind die Strasse nicht stark befahren.

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Gegenseitiges Fotoshooting.

An schönen Tagen, wie dem heutigen, vergeht die Zeit wie im Flug. Eben erst waren wir noch unter Tag und schon steht die Sonne an ihrem höchsten Punkt. Untrügliches Zeichen, endlich das Mittagessen zuzubereiten. Wir ignorieren eine doppelte Sicherheitslinie an einer Strasse, auf der höchstens alle 2 Minuten ein Auto vorbeifährt und steuern einen Picknickplatz an. Auf dem Gaskocher bereiten wir uns eine Portion Pasta zu – die Pestosauce kommt der Einfachheit halber aus dem Glas. Standesgemäss genehmigen wir uns dazu ein bisschen Rotwein; mangels Gläser allerdings direkt aus der Flasche. Herrlich!
Plötzlich hält ein Fahrzeug des Strassenbauamtes, das vor wenigen Minuten bereits in die Gegenrichtung an uns vorbeirauschte. Die beiden orange gekleideten Männer steigen aus und steuern sofort aufs Twike zu. So etwas haben sie offenbar noch nie gesehen. Auf slowenisch stellen sie unzählige Fragen, die ich – so gut es halt geht – beantworte. Plötzlich beginnen die beiden anerkennend zu nicken, schauen sich an, lachen aus voller Kehle und machen sich wieder auf den Weg. Wir beenden unser Mittagsmahl, verstauen wieder alles im Twike und setzen unsere Reise in Richtung Adria fort.

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Der Gaskocher feuert, die Teigwaren brutzeln, der Koch strahlt.

Die nördlichere der beiden slowenischen Adriastädte Koper haben wir schon bald hinter uns und der Weg führt uns mehr oder weniger der Küste entlang südwärts. Wir geniessen bei einem kurzen Zwischenhalt die tolle Sicht auf das Meer. Von diesem Moment habe ich lange geträumt: mit dem Twike dem Meer entlang zu gleiten.

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Blick auf die Adria und die slowenische Stadt Koper (im Hintergrund Italien).

Das Städtchen Piran, im Reiseführer als Muss beschrieben, vermag die Erwartung voll zu erfüllen. Den ersten Freudenmoment erleben wir bereits am Eingang zum Städtchen. Es ist nämlich autofrei und bietet lediglich Töfffahrern die Möglichkeit, ihr Fahrzeug im Zentrum abzustellen. Also erkläre ich dem Schrankenwärter, dass auch wir in die Kategorie Motorrad gehören, worauf er geradezu freudig die Barriere öffnet, so dass wir bis ins Zentrum fahren können. Der Töffparkplatz ist gut ausgeschildert. Schon bald stehen wir (fast) richtig im Parkfeld.

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Der Hafen von Piran – und alle Strapazen mit dem Regen sind vergessen.

Da das Autofahrverbot aber nicht für die Anwohner gilt und die Strassen doch eher schmal sind, ist der Töffparkplatz mit Metallpfosten gesichert. Solange man sein Fahrzeug also dazwischen stellt, kann nichts passieren. Dummerweise reicht der Einschlag des Twikes nicht, um in einem Zug ebenfalls eine korrekte Parkposition einzunehmen. Für uns natürlich kein Problem! Flugs hebe ich das Twike vorne an und manövriere es an die richtige Position. Sehr zur Freude zweier Angestellte der nahen Gelateria. Sie beginnen herzhaft zu lachen, als sie unser Wendemanöver sehen. Äusserst zufrieden machen wir uns auf Entdeckungsreise. Trotz angeblicher Hochsaison hat es offenbar nur mässig Touristen. Wir geniessen einen ausgiebigen Stadtbummel und runden den Besuch in der Gelateria ab, bei der unser Twike steht.

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Mit etwas Nachhelfen schaffen wir den nötigen Wendekreis für den Töffparkplatz.

Eine gemütlichen Heimreise bringt uns wieder nach Narin. Ein toller Reisetag ganz nach unserem Geschmack neigt sich dem Ende zu. Dunkelgraue Wolken und einige Blitze am Horizont künden ein gewaltiges Gewitter an. Wir entschliessen uns, dass Nachtessen im Innern zu nehmen. Wie sich eine halbe Stunde später herausstellt, wäre dies nicht einmal nötig gewesen. Petrus hat offenbar Mitleid und die bedrohlichen Wolken ziehen bald wider ab.
Wir hängen das Twike an die Dose und machen uns auf den Weg in Richtung Zimmer. Zufrieden und müde fallen wir ins Bett. Ich werde sogleich vom Schlaf übermannt, was ich angeblich auch akustisch zum Besten gebe. Regi liest – wie immer – noch einige Seiten. Wir sind überzeugt, dass es am kommenden Tag nochmals richtig schön sein wird…

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