Burgen und Bäder

Unser Hoffen und das anständige Ausessen hat offenbar seine Wirkung nicht verfehlt. Direkt nach dem Aufstehen zeigen sich am Himmel einige blaue Flecken zwischen hellen Wolken. Das Wetter des heutigen Tages könnte also durchaus gut werden. Gemütlich machen wir uns ans Frühstück und die Planung der anstehenden Tagesroute. Erste Station sollen die Karstseen dieser Region sein, dann die Felsenburg Lueg, bevor wir um die Mittagszeit in Ljubljana eintreffen wollen.
Nach vollendetem Frühstück stellen wir fest, dass die blauen Flecken verschwunden sind. Der Himmel ist aber nach wie vor hellgrau und es sieht nicht nach Regen aus. Wir packen unsere sieben Sachen ins Twike und öffnen voller Hoffnung die Seitenfenster. Nach keinen 5 km ist aber Schluss mit einem trockenen Tag. Es beginnt, erst leicht, dann dann immer stärker zu regnen. Noch wissen wir nicht, dass sich daran bis am Abend nichts ändern wird.
Nach knapp 20 Minuten Fahrt erreichen wir die Seen von Slovenska vas. Diese trocknen anfangs Sommer aufgrund des sinkenden Grundwasserspiegels aus und dienen dann als Landwirtschaftszone. Im Herbst, wenn der Grundwasserspiegel wieder steigt, füllen sich auch die Seen wieder mit Wasser, um dann im Winter zu gefrieren. Ein einzigartiges Naturschauspiel! Leider ist das Wetter so schlecht, dass wir überhaupt nicht motiviert sind, lange das Twike zu verlassen und so setzen wir unsere Reise in Richtung Felsenburg fort.

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Die Seen von Slovenska Vas – momentan versickert und durch die Landwirtschaft genutzt.

Ein Besuch auf der Burg ist ideal bei diesem Wetter. Wir parkieren das Twike zwischen die Verbrenner und machen uns auf den Weg in Richtung Burg. Bereits die Zufahrt zu diesem einzigartigen Gebäude macht klar, dass sich hier die Gegner wohl die Zähne ausgebissen haben. Erste Teile der Burg gehen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Doch hier war es – das bestätigt der Führer – unwirtlich. Durchzug prägten das Leben auf der Burg ebenso, wie ständige Feuchtigkeit. Nur zu gut können wir uns das an diesem verregneten Tag vorstellen!

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Predjamski Grad – zu deutsch Höhlenburg Lueg – erbaut in einer ersten Phase im 12. Jahrhundert.

Bei ständigem Regen – mal stärker mal schwächer – erreichen wir um die Mittagszeit die Hauptstadt Ljubljana. Wir parkieren direkt im Zentrum und unternehmen einen kurzen Stadtbummel. Aufgrund des Regens geniessen wir in erster Linie die Streckenabschnitte unter den Arkaden und dem Markt. Doch irgendwie will trotzdem keine grosse Freude aufkommen. Das Wetter schlägt eindeutig auf die Stimmung.
Einzig in Regis Gesicht macht sich kurzfristig ein zufriedenes Lächeln breit. Sie hat in einem Laden mit örtlicher Handwerkskunst eine Tonschale entdeckt, die sie unbedingt erstehen will. Sogar mein Argument, dass wir inzwischen wohl ein gutes Dutzend nicht zueinander passenden Tonschalen haben, verpufft wirkungslos.
In der örtlichen Touristeninfo entdecken wir einen Führer mit Übernachtungsmöglichkeiten auf Bauernhöfen. Eine angenehme Sache, wie wir bereits in Erfahrung bringen durften. Wir suchen uns eine geeignete Unterkunft und setzen unsere Reise fort. Unweit der Thermenstadt Laško befindet sich ein Pension. Dort gibt es glücklicherweise ein freies Zimmer für uns und Strom fürs Twike. Bevor wir allerdings Raum Nummer 1 beziehen, wollen wir unsere Seele in der Therme baumeln lassen.

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Unsere Pension in Sedraž in der Nähe der Therme von Laško.

Obschon die Therme nur einige Grad wärmer sein sollte, geniessen wir das Relaxen im Wasser. Statt der möglichen 3 Stunden haben wir nach gut anderthalb Stunden aber bereits genug und das nächste menschliche Bedürfnis macht sich bemerkbar: wir haben Hunger! Auf Anraten zweier Angestellten machen wir in der nahen Pizzeria halt. Wir sind gespannt. Mit Pizza haben wir bereits sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Aber wir sollen nicht enttäuscht werden. Die Pizzen sind hervorragend und auch der Platz gefällt uns. Zwar ist das Lokal direkt an der Strasse, auf der Gegenseite befindet sich aber der Fluss. Hier finden wir sogar fürs Twike einen (illegalen) Platz.
Wir haben unser Essen noch nicht erhalten, als uns jemand im Baslerdialekt anspricht: „Ausserhalb der Schweiz sieht man nicht soviele Twikes!“ Und schon bald tönt es aus der Richtung unseres Fahrzeuges „Du, die kommen von Luzern“. Ein Pärchen – sie aus Laško, er aus Basel, heute wohnhaft in Luzern – sind auf Verwandtenbesuch. Die Welt ist klein!

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Eine feine Pizza für den Piloten, einen tolle Aussicht fürs Twike.

Gesättigt und zufrieden absolvieren wir die letzten Kilometer bis zu unserer Unterkunft. Wir fallen sogleich müde ins Bett. Am kommenden Tag steht die Rückreise via Maribor und Graz auf dem Programm.

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