von Meran an die Adria

Ohne einen Wecker stellen zu müssen, verwache ich früh am Morgen. Ausgezeichnet! So bleibt ausreichend Zeit, dass Zelt wieder abzubauen und das Twike reisefertig zu machen. Genau wie am Vortag zeichnet sich eine Tagesetappe ohne Verdeck ab. Über Nacht habe ich es allerdings geschlossen – nicht, dass mir noch jemand ein Geschenk auf den Fahrersitz legt.

Das heutige Reiseziel heisst Venedig – einmal Zwischenladen für die enstpannte Fahrt ist also angesagt. Doch bevor es richtig losgehen soll, will ich mich erst noch in einer kleinen Bar im Stadtzentrum von Meran für die Weiterfahrt stärken. Direkt gegenüber des Theaters werde ich fündig. Das Twike stelle ich frech unter die Arkaden unmittelbar neben die Stehtische. So habe ich mein Fahrzeug stets im Auge und muss nicht noch grosse Sicherheitsvorkehrungen treffen. Während ich meinen Cappuccino und einen süssen Gipfel geniesse, streiten sich am Nebentisch zwei Herren bei einem Bier über die Politik. Obschon man sich hier ja nicht als Italiener fühlt, ist man von Rom abhängig, was den beiden überhaupt nicht zu passen scheint. Die Inhalte, wo die Politik gerade versagt hat, wechseln so schnell, dass ich nicht nur wegen des eigentümlichen Dialekts kaum mitkomme. Muss ich ja nicht, denke ich mir, ich wohne nicht im Wirkungskreis der Italiener. Denkste! Kaum gedacht, schon fragt mich einer der beiden nach meiner Meinung. Tja, jetzt ist Diplomatie gefragt. In ihr Wehklagen will ich nicht einstimmen. Das Gegenteil zu behaupten trau ich mich nicht, zu furchterregend sind die Arme des einen tätowiert. Wer weiss, vielleicht sind die Jassstriche unmittelbar neben dem Totenkopf auf seinem Arm, die Opfer, die er ins Jenseits oder mindestens in den Spital befördert hat. Bevor meine Gedanken noch wilder durch den Kopf schiessen, erkläre ich, dass ich etwas knapp an der Zeit sei, denn ich wolle heute noch bis Venedig. Die beiden lassen mich ziehen. Fürs erste. Kaum sitze ich im Twike, haben die beiden realisiert, dass das wohl etwas aussergewöhnliches sein könnte; mit dem zweiplätzigen Fahrrad bis an die Adria. Offenbar wollen sie sich gar nicht lange den Kopf zermartern, wie das wohl gehen mag und es prasseln die Fragen nur so über mich herein. Nach knapp einer Viertelstunde erinnert sich der eine, dass ich es ja eilig habe und er entschuldigt sich in aller Form, mich aufgehalten zu haben. Jetzt aber nichts wie weiter!

Gemütlich rolle ich das Südtirol hinunter, abseits der grossen Strassen, aber doch so, dass ich gut voran komme. Nach einer knappen Stunde Fahrzeit erreiche ich das idyllische Dorf Kaltern. Ich entdecke eine einladende Gartenbeiz und entschliesse mich kurzerhand einzukehren.

Ideales Reisewetter und traumhafte Aussicht

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